Wir haben die Begriffe „individuelle Förderung“ und “ganzheitliche Erziehung und Bildung” bewusst in unser Schulprofil mit aufgenommen. Eigentlich sollten sie im Zusammenhang mit Erziehung und Bildung selbstverständlich sein, denn Erziehung und Bildung eines Menschen kann ihn nur als ganze Persönlichkeit im Blick haben. Wir möchten dies aber durch die Betonung des Wortes “ganzheitlich” noch unterstreichen. Für unsere pädagogische Arbeit heißt das,
- ein “Lernen mit allen Sinnen” zu ermöglichen – was vor allem die Methodik des Unterrichtens betrifft - , um den Kindern verschiedene Wege anzubieten, sich mit Neuem vertraut zu machen und es auch zu behalten;
- die Kinder dabei zu unterstützen, ihre kognitiven und emotionalen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln;
- sowohl die Vielfalt der Interessen mit zu berücksichtigen, die die Kinder von sich aus mitbringen, aber auch ihren Horizont zu erweitern für vielerlei Neues – in kognitiver wie auch in affektiver und sozialer Hinsicht. “Ganzheitlich” bedeutet auch die Kinder in ihrer Individualität zu stärken und ihnen ein “Selbst-Bewusstsein” im wörtlichen Sinn zu vermitteln, sie aber auch als Mitglieder einer Gemeinschaft zu Verantwortungsbewusstsein und Toleranz zu erziehen.
Insgesamt geht es uns bei unserer pädagogischen Arbeit im Unterricht und darüber hinaus stets um die Wertschätzung der ganzen Persönlichkeit mit all ihren Facetten.
Entscheidend für dieses Anliegen erscheint uns bereits ein gelungener Start der Kinder am Gymnasium zu sein. Viele Schulen haben zwar schon länger erkannt, dass ein/e Fünftklässler/in vielleicht vor allem deshalb schlechte Schulleistungen bringt, weil er/sie das Lernen (noch) nicht gelernt hat, und bieten zur Unterstützung – wie unsere Schule übrigens auch – spezielle „Lernen lernen“-Kurse an. Der Faktor, der unserer Erfahrung nach jedoch bisher weitgehend unterschätzt wird, ist der emotionale Faktor der Angst. Das war für uns vor vier Jahren der Anlass, unser pädagogisches Projekt „Angstfrei lernen“ ins Leben zu rufen.
Gerade Fünftklässler/-innen haben zu Beginn ihrer Gymnasialzeit so viel Neues zu bewältigen, dass sie häufig nicht nur die Unterstützung der Eltern, der Klassenleitung und der Tutoren brauchen. Es sind vielleicht nicht viele Kinder, bei denen sich Ängste dann auch auf das Abrufen ihrer vollen Leistungsfähigkeit auswirken, aber speziell um die geht es uns bei unserem Projekt.
Unser Anliegen ist es, Schüler/-innen und ausdrücklich auch den Eltern von Anfang an Sicherheit zu vermitteln, die Ängsten vorbeugen kann, dann aber im Einzelfall auch individuelle Unterstützung und Beratung anzubieten, wenn Ängste auftreten sollten. Durchgeführt wird das Projekt von unserem Pädagogischen Team, bestehend aus der Schulpsychologin, der amtierenden Beratungslehrerin, unserer ehemaligen Beratungslehrerin sowie den Seminarlehrkräften für Pädagogik (Diplompädagoge) und Psychologie (ausgebildete Beratungslehrkraft). Jedes Teammitglied ist einer 5. Klasse zugeordnet, in der er/sie nicht unterrichtet, und begleitet die Klasse bzw. die Eltern vom ersten Schultag an.
Unsere Erfahrungen mit dem Projekt während der letzten drei Jahre sind positiv. Viele Eltern geben uns die Rückmeldung, dass ihr Kind und sie selbst sich gut aufgenommen fühlen. Das Angebot zu Einzelberatung im Bereich schulischer Ängste wird durchschnittlich von etwa 10 % angenommen. Auch die Fünftklasslehrkräfte geben des Öfteren Beobachtungen über einzelne Kinder wieder, die sich möglicherweise nicht wohl fühlen bzw. denen die Eingewöhnung schwer fällt. Die Ergebnisse der schriftlichen Befragungen von Kindern und Eltern bestätigen, dass die weit überwiegende Zahl der Fünftklässler/-innen schnell in die Schule integriert ist und sich in der neuen Schulsituation zurechtfindet.
U.a. wohl als eine Folge des Projekts hat sich an unserer Schule in den letzten Jahren das Beratungsnetz immer stärker verdichtet. Nicht nur die komfortable personelle Ausstattung mit Fachpersonal mit spezieller psychologisch-pädagogischer Ausbildung, die Kooperation mit Stufenbetreuern und Verbindungslehrkräften, sondern auch die stetig wachsende Sensibilität der Kolleg/-innen und Schüler/-innen führen dazu, dass die Nachfrage nach Beratung und individueller Unterstützung in allen Altersstufen deutlich zugenommen hat. So melden sich Kinder, die immer wieder Angst davor haben, in der Klavierstunde vorzuspielen, oder Jugendliche, die sich Sorgen machen, ob eine Mitschülerin vielleicht magersüchtig ist, oder Oberstufenschüler, die einige Wochen Coaching brauchen, um ihr Zeitmanagement in den Griff zu bekommen. Für Einzelfälle, die eine professionelle Therapie erforderlich machen, bestehen enge Kontakt zur Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Erlangen sowie zur Schule für Kranke.
Für Neunt- und Zehntklässler/-innen, die im Halbjahreszeugnis den Hinweis erhalten, ihr Vorrücken sei gefährdet, bieten wir das Projekt „Schülern auf die Sprünge helfen“ an. Nach dem Zwischenzeugnis werden diese Schüler – nachdem in der Großgruppe Lerntipps etc. gegeben wurden - einzeln oder in Kleingruppen beraten. Dabei werden Ursachen erforscht, wie Lücken zustande gekommen sind, und es wird gemeinsam überlegt, wie eine Verbesserung von Arbeitstechniken und Leistung erfolgen könnte. Die Schüler werden von den beratenden Lehrkräften das zweite Halbjahr über betreut und haben somit die Chance ihre Lücken zu schließen.
„Ganzheitliche Erziehung und Bildung“ umfasst neben dem Eingehen auf die individuellen Probleme über Leistungsschwierigkeiten hinaus auch den „Blick über den eigenen Tellerrand“. Deshalb hat soziales Engagement am Christian-Ernst-Gymnasium - wie an viele anderen Schulen auch - eine lange Tradition. Von Benefizkonzerten über den schulweiten Mabuhaylauf für philippinische Kinder, das Erstellen und Verkaufen von Rätselheften für die Kinderkrebsstation der Uniklinik Erlangen durch Unterstufenklassen, die regelmäßige Schulsachensammlung für die Erlanger Tafel bis hin zum ökologischen Engagement für „fairkleiden“ reichen dabei die Aktivitäten, ausgehend von SMV, Klassen, Lehrkräften und Eltern. Wichtig ist uns - explizit auch unseren Schüler/-innen - dabei Nachhaltigkeit statt kurzfristiger Aktionismus. Exemplarisch steht dafür der lange Atem unserer SMV auf dem Weg, das CEG in das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aufnehmen zu lassen. Nicht nur die Initiative ging dabei allein von den Schüler/-innen aus, sondern auch die lange Phase der inhaltlichen Arbeit, der Information der Mitschüler/-innen und der Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus und Zivilcourage, bevor im Juni 2011 mit einem schulweiten Projekttag dem CEG der „offizielle“ Titel verliehen wurde. Auch hier war die Festveranstaltung nur der Höhepunkt eines Aktionstags mit mehr als 30 thematisch äußerst gehaltvollen Workshops, die von zahlreichen außerschulischen Partnern, Eltern und Lehrkräften angeboten wurden. Die gesamte Organisation wurde wie schon bei anderen Veranstaltungen dieser Art in bewährter Teamarbeit von SMV, Elternbeirat, Kollegium und Schulleitung gemeinsam geleistet.
„Es herrscht ein positives und förderliches Unterrichtsklima, das von gegenseitigem Respekt und großer Wertschätzung geprägt ist.“ Diese Aussage soll nicht als unbescheidenes Eigenlob verstanden werden, sondern ist ein Zitat aus dem Abschlussbericht der externen Evaluation, die ein schulunabhängiges Team im Rahmen der Qualitätsverbesserung an bayerischen Schulen bei uns Ende 2006 durchgeführt hat. Wir haben uns über diese Formulierung, die im Bericht explizit als „Stärke” unserer Schule bezeichnet wird, vor allem deshalb gefreut, weil wir uns dadurch in einem unserer besonderen Anliegen – nämlich der Wahrnehmung und Wertschätzung der Schülerinnen und Schüler in ihrer ganzen Persönlichkeit - bestätigt fühlen.




